„Bei der Debatte um das iranische Atomprogramm bleibt völlig außen vor, dass dieses Land unglaublich reich an Sand ist.“ Peter Bosworth, Tourismusexperte und seit seiner Geburt Iraner, hockt sich vor unser Team und streicht mit seiner Hand den vor ihm liegenden Sand glatt. „Es gibt bis zu 300 verschiedene Begriffe für Sand. An manchen Tagen sogar bis zu 400.“
Der 30jährige Bosworth gibt sich alle Mühe, uns von der heilenden Wirkung besonderer Sandsorten zu überzeugen, doch er merkt auch, dass wir uns mit ihm treffen wollten, weil er als der Tourismusexperte gilt, der weiß, wo sich geheime iranische Atomlabore befinden. Als diesen hatte man ihn uns jedenfalls vorgestellt. Auf unsere Nachfragen reagiert er mal gelassen, dann fühlt er sich wieder angegriffen. Es sei sein Land, beteuert er, er wolle niemanden verraten, doch wenn es um Sand geht, oder wie Bosworth es betont: „Sáhahnd“, dann ist er in einer Zwickmühle gefangen. So gehörte er zu den ersten, die 2003 darauf aufmerksam machten, dass bestimmte Sandsorten für immer von der Oberfläche der Welt verschwinden könnten, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. „Die Tiere haben eine Lobby, die Pflanzen, ja sogar das Eis hat eine Lobby, doch wer kümmert sich um den Sandbestand der Welt?“ Peter Bosworth wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. Wir ahnen, dass er uns keine geheimen Atomlabore zeigen wird. Trotzdem versuchen wir, seine Standpunkte zum Atomprogramm des Irans zu verstehen. „Wissen Sie, es gibt hier Landstriche, da finden Sie an einer Stelle leicht rötlichen Sand und dann gehen Sie ein paar Schritte weiter und dort ist der Sand dann eher ockerfarben oder sogar sandfarben. Können Sie mir in die Augen schauen und sagen, dass Ihnen das nicht imponiert? Können Sie das?“ Wir packen unsere Sachen. Von Peter Bosworth werden wir keine wichtigen Details über geheime Atomlabore erfahren. Er lebt in einer Welt, in der Sand mehr zählt als Politik. Doch am Ende unseres Treffens haben wir noch einmal das Gefühl, dass er uns etwas mitteilen möchte. „Hören Sie, wenn Sie ein bisschen geradeaus fahren und dann rechts abbiegen, und dann nochmal 400 Kilometer geradeaus fahren, dann kommen Sie irgendwo an. Die Menschen die dort leben nennen den Sand „Zeug, das Götter als Gegenteil von Wasser erfunden haben“. Ich denke, das wird Ihnen weiterhelfen.“ Dann dreht er sich um und verschwindet mit ausgebreiteten Armen hinter einer Düne. Als wir Tage später mit Herzklopfen an der von Bosworth beschriebenen Stelle ankommen wird uns klar: Peter Bosworth hat von Sand geredet.
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Auf Sand gebaut - Skizzen aus dem Iran