Alle, auch jene Glückskinder, die damals noch nicht geboren waren, erinnern sich doch sicherlich noch an den 14. Februar 1981. Wissen wir nicht alle noch ganz genau, was wir am Abend dieses Tages geschaut haben? Richtig! Die ERSTE Ausgabe von „Wetten, dass…?“ Ganze 29 Jahre ist das jetzt schon her. Und so feiern auch in diesem Jahr wieder alle Beteiligten der damaligen Sendung diesen unrunden Geburtstag.
Und wo sollte man so einen Geburtstag schon feiern, wenn nicht auf der großen weißen Couch. Der großen weißen Couch, zu Hause bei Frank Elstner. Bei Timm Maria Franz Elstner, der kichernd in seinem Sessel sitzt und wie in jedem Jahr davon erzählt, wie er die ganz große Idee hatte. Und so entsteht eine ganz heimelige Atmosphäre, wenn der putzige kleine Frührentner (graumeliert seit 1956) mit weise ausgewählten Worten von der Nacht berichtet, in der ihm das Goldesel-Konzept im Traum erschienen ist. „Es war eine dieser Nächte, in der ich ständig auf Toilette musste. Denn ich hatte mal wieder unzählige Gläser Buttermilch getrunken“, so Frank Elstner inmitten der geladenen Beleuchter, Visagisten und Bühnenbauer. „Ich bin aufgewacht und plötzlich hatte ich die Idee zur bekanntesten Unterhaltungssendung der Welt. Ich habe die Idee auf einen Zettel gekritzelt, an den Kühlschrank geheftet und noch schnell ein Glas Buttermilch getrunken.“ Und mehr muss das große alte Wunderkind der deutschen TV-Unterhaltung gar nicht sagen. Alle Anwesenden schauen sich verträumt und wehmütig in die Augen, und hier und da fließt eine kleine stille Träne. Und dann erzählt der Onkel Frank einfach weiter, weil ihm keine noch so heimelige Stille den Mund verbieten kann - Nase vorn!
„1981!" sagt er. "Da war ja g'rade erst der Krieg vorbei. Der Krieg in den Köpfen der Leute! Ich habe das gespürt. Die wollten wieder unterhalten werden. Und was unterhält mehr als langweilige Wetten, überzuckerte, nichtalkoholisierte Wettpaten und die immer gleichen Showacts?“ Und genau das ist das Stichwort für Peter Maffay. Vorsichtig beugt sich der kleine Mann mit der komischen Stimme ein Stück nach vorne, blickt ehrergeben zum großen Elstner hinauf und bedankt sich mit glasigen Augen für die fantastischen Bühnenbilder, in denen er 40, vielleicht schon 50 Mal auftreten durfte, so genau hat das keiner mitgezählt. Und vielleicht ist ja genau dies das Erfolgsrezept dieser Erfolgsshow im Erfolgssender Nummer Zwei, in diesem Erfolgsmedium Nummer Eins. Diese liebevoll komponierten Bühnenbilder, die Peter Maffay und eigentlich uns alle bis an das Ende unseres Lebens verfolgen werden. Das große schwingende Pendel, die verlassene Tankstelle, der Leuchtturm am Horizont und diese großen brennenden Dinger. Wiederkehrende Objekte, wie Metaphern für all das Kontinuierliche, als das Unbewegliche, in unseren erschreckend langweiligen Leben. Und auch wenn Onkel Frank schon lange (schon sehr lange) nicht mehr selber moderiert, es wird doch immer seine Sendung bleiben.
Denn nach diesem Riesen der Vergangenheit ist Thomas Gottschalk doch nur noch die frivole Pointe eines Busengrabscherwitzes. „Und an den Lippert kann sich eh keiner erinnern.“ prustet Bühnenarbeiter Werner Hallkorn. Aber die barschen Worte gehen in Frank Elstners Vorkriegs- und Vorabendmonologen unter. Schon früh (20.15 Uhr) verlassen ihn seine Gäste, denn sie müssen noch den Bus erreichen. 29 Jahre, so mag man sich denken, sind noch kein echtes Jubiläum, aber ein kleines Wunder, das sind sie schon irgendwie.


