
Bislang erkannte man die Griechen an üppigen Fleischgerichten oder an ihren üppigen Schlager-Exporten Nana Mouskouri und Costa Cordalis. Die übrigens beide bekanntlich für die größten anzunehmenden Haarunfälle der Popgeschichte verantwortlich sind.
Nun haben sich die Urgroßeltern der Demokratie auch gleich noch in den Olymp der gewieftesten Blender katapultiert. Jahrelang konnte die griechische Regierung den Ländern der Europäischen Union durch Manipulation ihrer Statistik suggerieren, dass das eigene Staatsdefizit zwar hoch, aber irgendwie noch ganz ok war. Nun stellte sich heraus: Griechenland steht seit langem mehr als doppelt so hoch in der Kreide – mit einem Eurozone-sprengenden Staatsdefizit von 13 Prozent.
Ein klares Nein zu finanziellen Hilfen, verlautete es dann auch gleich einstimmig aus Brüssel. Die EU hat jedoch heute als erste Maßnahme zur Devisenbeschaffung beschlossen, die mehr als genialen Buchmacher aus Athen für eigene Fortbildungszwecke einzusetzen. Denn wer es schafft, über lange Zeit die europäische Währungs-Security zu beschummeln, der besitzt ägäis-sonnenklar die Kernkompetenz, den Rest der Welt in die höheren Weihen des Schön-Rechnens einzuführen.
So werden Statistiker von der Akropolis ab sofort universell als Berater eingesetzt. Pimp your statistics! lautet das Motto. So gibt die griechische Eingreiftruppe neuerdings Tipps an deutsche Jobcenter, wie man Hartz-IV-Empfängern überzeugend vorgaukelt, sie bekämen nach dem jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichtes tatsächlich mehr Geld. Die FDP dagegen möchte dringend wissen, wie man dramatisch fallende Umfragewerte kaschieren kann. Bundeswehr-Oberst Klein ließ sich vor der Aussage im parlamentarischen Untersuchungsausschuss coachen, um die Opferzahlen beim Tanker-Zwischenfall in Kundus zu seinen Gunsten zu bereinigen und auch die junge Autorin Helene Hegemann, die sich derzeit vor Plagiatsvorwürfen kaum retten kann, setzte zu einem Vorstoß an, indem sie ihre literarischen Quellen aus der griechischen Antike offenlegte. Selbst die gesetzlichen Krankenkassen hierzulande lernen nun erfolgreich vorzugeben, dass die monatlichen Zusatzbeträge nicht gleich direkt an die Pharmaindustrie überwiesen werden. Ergo: Für alle Seiten eine zufriedenstellende Win-Win-Situation. Die einzige Bitte der griechischen EU-Kommissare in Brüssel war, dass im Zusammenhang mit ihrer neuen Trainer-Tätigkeit im Vorspiegeln falscher Tatsachen, die Begriffe „einen Türken bauen“ bzw. „etwas türken“ doch bitte vermieden werden möchte...

Durchs wilde Verschuldistan